Geschenke bringt der Weihnachtsmann. In Spanien sind es die Heiligen drei Könige am 6. Januar des jeweils nächsten Jahren. Das war’s – oder doch nicht? Nein, es geht noch weiter, denn neben dem Weihnachtsmann und den Heiligen drei Königen gibt es in Teilen Spaniens noch weitere Gabenbringer. Im Mittelpunkt steht daher heute der Esteru aus Kantabrien und Asturien.
Der Esteru ist der Legende nach ein Holzfäller mit Boina (Baskenmütze), Bart und Pfeife – hier eine typische Abbildung. Am Weihnachtstag geht er mit seinem Burru (kantabrisch-asturisch für „Esel“) von Haus zu Haus und verteilt Geschenke an die Kinder. Bereits vor Weihnachten hatten die Kinder Briefe und Wunschlisten an den Esteru geschrieben, ähnlich wie es u.a. in Nord- und Mitteleuropa Brauch mit dem Weihnachtsmann ist.
Die Herkunft der Person
Es ist bisher nicht abschließend geklärt, woher der Esteru stammt, doch es gibt verschiedene Theorien und Meinungen. Für viele plausibel erscheint die Erklärung, der Esteru käme aus vorchristlicher Zeit, als die Gegend in und um Kantabrien und Asturien noch keltisch war. In jener Zeit wurde jedes Jahr die Wintersonnenwende um den 21. Dezember herum mit großen Lagerfeuern gefeiert. Daher wird angenommen, dass der Esteru derjenige sein könnte, der einst das Holz zum Ort des Lagerfeuers brachte. Später nahm die Kirche diese Tradition auf und verband sie mit christlichen Bräuchen.
Eine andere Theorie besagt, dass sich der Esteru auch aus dem Hombre del Saco entwickelt haben könnte, einem mürrischen alten Einsiedler, der unartige Kinder in seinen Sack steckt und entführt. Er ist die spanische Entsprechung des im deutschsprachigen Raum bekannten Butzemannes.
Dann gibt es noch die literarische Theorie, die auf dem Poema de Fernán González (= Gedicht von Fernán González) beruht. Es wurde Mitte des 13. Jahrhunderts im Kloster San Pedro de Arlanza (Burgos) von einem Mönch als Heldengedicht geschrieben. Es geht darum, wie der Graf Fernán González, den es tatsächlich gab und der um 970 herum starb, aus Sicherheitsgründen in die kantabrischen Berge gebracht und dort von einem armen Holzfäller oder Köhler entführt und aufgezogen wurde.
Die Herkunft des Namens
Auch die Etymologie ist nach wie vor umstritten, denn auch gibt es mehrere Theorien. Eine davon lautet, die Bezeichnung Esteru leite sich vom Abt Eustache des Klosters Saint-Germer-de-Fly in der nordfranzösischen Picardie ab, der Ende des 12. Jahhunderts lebte. Hierbei handle es sich um eine Verballhornung des französischen Namens Eustache.
Schlüssiger scheint die Theorie, der Name leite sich von Estéreo (= Ster) ab, der Einheit für ein Kubikmeter Brennholz einschließlich Zwischenräumen in der Schichtung. Möglicherweise wandelte Estéreo um Laufe der Zeit zu Esteru, was auch dazu passt, dass es sich um einen Holzfäller handelt.
