Bald ist Heiligabend. Und wie bereits zu lesen war, kommt in Spanien der Papá Noel und in Kantabrien und Asturien der Esteru. Gehen wir heute wir noch ein Stück weiter westlich, nach Galicien – das spanische Galicien. Hier kommt der Apalpador und verteilt Geschenke.
Der Apalpador ist eine mythische Figur, ein Köhler mit Bart und Pfeife, der in den bergen lebt. teilweise wird er auch als Riese gesehen. Je nach Tradition kommt er am 24. oder 31. Dezember und reibt den Bauch der Kinder, um zu sehen, ob sie das Jahr über genug zu essen hatten. Je nach dem, wie dieser „Bauchtest“ ausfällt, hinterlässt der Apalpador (von Span./Gal.: palpar = abtasten) ein paar Kastanien und auch das eine oder andere Geschenk für das jeweilige Kind. Wenn das Kind während des Jahres genug zu essen hatte, gilt dies als gutes Omen für das darauffolgende Jahr.
Der galicische Brauchtumsforscher Xesús Taboada Chivite nimmt an, dass der Apalpador ursprünglich am 31. Dezember kam, da diese Nacht auch im heutigen Galicien als noite de apalpadoiro (Nacht des Abtastens) bezeichnet wird.
Es kommt nicht von ungefähr, dass der galicische Apalpador und der kantabrische Esteru viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Kantabrien, Asturien und Galicien liegen alle im Norden Spaniens und haben auch eine gemeinsame keltische Vergangenheit. Ob die Figur des Köhlers (Galicien) bzw. des Holzfällers (Kantabrien/Asturien) allerdings noch aus dieser Zeit stammen, ist ungewiss. In verschiedenen Theorien zur Herkunft dieser mythischen Personen wird vermutet, dass die Tradition eventuell aus der vorchristlichen Zeit übernommen und dann mit dem christlich geprägten Weihnachtsmann verbunden wurde, ähnlich wie es bei vielen anderen ehemals heidnischen Bräuchen auch der Fall war.
Für diese Theorie spricht auch, dass um das heutige Weihnachten herum in keltischer Zeit die Wintersonnenwende gefeiert wurde. Es könnte als gut sein, dass der Apalpador schon damals die Bäuche der Kinder abtastete.
In vergangenen Jahrzehnten geriet der Apalpador zugunsten des christlichen Weihnachtsmannes und von Weihnachten ins Hintertreffen. Erst in den letzten Jahren lebt dieser vermutlich uralte Brauch wieder auf. Es stellt sich allerdings die Frage, ob dies aus Rückbesinnung auf galicische Traditionen geschieht oder weil sich der Apalpador zu Weihnachten wunderbar vermarkten lässt.
