27. Türchen: Die Schicksalsurne

Die eigentlichen Weihnachtsfeiertage sind zu Ende, sowohl in Spanien als auch in Deutschland. Dennoch komme ich heute noch einmal auf Heiligabend zurück und auf einen Brauch, den es sowohl in Spanien als auch in Italien gibt: die Schicksalsurne.

Woher die Urne genau stammt, ist nicht bekannt. Möglicherweise stammt sie von der römischen urna sortium ab, einer Lostopf, aus der man sein Los oder Schicksal erfahren konnte, etwa ob man sterben würde oder nicht. Schon im alten Griechenland, so sagt Ammianus Marcellinus (Res Gestae 14,11,25f.), kontrollierte Nemesis, die Göttin der Rache und des gerechten Zorns, diese Urne.
Das hat sich bis heute geändert, denn obwohl die Urne des Schicksals immer noch eine Art Lotterie ist, geht es jetzt um kleine Geschenke – oder eben Nieten.

Am Heiligabend wird die urna del destino (= Schicksalsurne) nach einem üppigen Essen auf den Tisch gestellt und alle Familienmitglieder nehmen an der Ziehung teil. dabei wird so lange gezogen, bis jeder in der Familie ein Geschenk hat oder die Urne leer ist. Die eigentlichen Geschenke werden traditionell erst am 6. Januar verteilt, auch wenn sich dies teilweise ändert. In der Schicksalurne dagegen gibt es nur Kleinigkeiten. Wer Pech hat, zieht eine Niete, ganz so wie bei einer richtigen Lotterie. Dieser Brauch hat sich in Italien ins ganz ähnlicher Form gehalten und gilt ebenfalls als familiärer Brauch.

Vielfach wird dieser Brauch dazu genutzt, nicht nur als Familie zusammenzusitzen, sondern auch, um Weihnachtslieder (Villancicos) zu singen Turrones zu essen. Erst danach geht es in die Mitternachtsmesse, die Misa del Gallo (= Hahnenmesse).

Das Wort urna (Span. für „Urne“) stammt aus dem Lateinischen, urna, und hat sowohl in die spanische als auch die deutsche Sprache geschafft. In beiden Sprachen hat das Wort mehrere Bedeutungen, z.B. Wahlurne, Lostrommel oder Bestattungsurne. Auch in andere Sprachen wie das Katalanisch (urna), Italienische (ebenfalls urna) oder Französische (urne) hat das Wort es geschafft. Das Schicksal hat es gut gemeint mit der Urne.

Bis morgen!

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