Wissen Sie noch, wie Sie das letzte Mal jemanden in den April geschickt haben? Ja? Und Sie halten sich gerade in Spanien auf? Das passt hervorragend, denn dann können Sie Ihren Aprilscherz vielleicht ein zweites Mal in diesem Jahr ausprobieren.
Bevor das Fragezeichen noch größer wird, am heutigen 28. Dezember sollte man in Spanien besser auf der Hut sein, denn es ist der Tag Día de los Inocentes (= Tag der unschuldigen Kinder). Dieser entspricht in etwa dem 1. April in Deutschland und ist somit der Tag der Zeitungsenten, Narreteien und Scherze.
Was haben Späße mit unschuldigen Kindern zu tun? Woher kommt dieser Brauch? Er geht zurück auf den Kindermord zu Bethlehem, (vgl. Mt. 2 in der Bibel) beim dem König Herodes alle männlichen Kinder bis zum Alter von 3 Jahren töten ließ, um den Aufstieg des Jesus von Nazaret zu verhindern. Dieses Fest wurde bereits in römischer Zeit begangen, denn bereits 689/90 wurde das Festum puerorum (Lat. für „Kinderfest“) auf dem 6. Konzil von Konstantinopel verboten. Der Grund war, dass das Fest mit einem „Narrenfest“ zusammenhing und die Narreteien hatten möglicherweise nicht-christliche Ursprünge, etwa die orientalischen Narrenkönige oder die römischen Saturnalien. Es ist nicht gänzlich geklärt, wie das Fest der unschuldigen Kinder mit närrischem Treiben zusammenkam. Eine Theorie besagt, dass die Streiche und ursprünglich heidnischen Ursprungs waren und ähnlich den Silvestertraditionen mit Böllern und Raketen dazu dienen sollte, böse Geister zu vertreiben. Das Datum würde für diese Theorie sprechen, ebenso die Tatsache, dass sich heidnische Bräuche oft in der einfachen Bevölkerung hielten, auch wenn die Kirche dies nie gerne sah.
Da der Brauch in der Bevölkerung allerdings sehr beliebt war, hielt er sich u.a. in Spanien und Lateinamerika. Es werden Scherzartikel verkauft und den Mitmenschen Streiche gespielt. Auf Spanisch heißt inocente nicht nur „unschuldig“, sondern auch „naiv“ – was wieder mit Kindern in Verbindung gebracht werden könnte – oder auch „dumm“. Aus diesem Grunde soll die spanische Verfassung von 1978 erst am 29. Dezember inkraft getreten sein, damit sie nicht als „Aprilscherz“ galt.
Bis morgen!
