Wer diesen Adventskalender schon länger liest, wird sich noch an den Beitrag zu Krippen in Spanien erinnern, in welchem auch vom katalanischen Caganer die Rede war. Hierbei handelt es sich um die obszön anmutende zusätzliche und mittlerweile in weiten Teilen Spaniens verbreitete Krippenfigur, die mit der typischen katalanischen Kopfbedeckung (der barretina), schwarzen halblangen Hosen, weißem Hemd und der roten Gürtelschärpe dargestellt wird. Und dass die Katalanen gerne einmal etwas derbe sind, manifestiert sich nicht nur, aber auch in ihren Advents- und Weihnachtsbräuchen.
Deshalb reisen wir einmal in die Provinz Lleida (Span.: Lérida) im Westen der Autonomen Region Katalonien. Hier befindet sich das Dorf Linyola, das in jeder Adventszeit ein ganz besonderes Fest feiert. Wie in vielen anderen katalanischen Dörfern auch, gibt es in Linyola eine lebende Krippe, mit der allerdings nicht nur die Weihnachtsgeschichte, sondern, wie in Katalonien üblich, Drachen, Feuer und Dämonen dargestellt werden. Für die lebende Krippe werden Darsteller rekrutiert und unter diesen Darstellern wird – ganz im Zeichen des Caganer – ein Casting del cul durchgeführt.
Cul ist katalanisch für „Allerwertester“. Und so wird in Linyola bereits seit 1998 der „schönste Allerwerteste“ gewählt und mit einem Geldpreis bedacht, 2013 waren es 500 EUR. Der Sieger stellt später sieben Tage lang in der lebenden Krippe den Caganer dar. Seit 2013 beteiligen sich auch Frauen als Symbol dafür, dass der Caganer nicht nur männlich, sondern auch weiblich sein kann.
Bis morgen!
