31. Türchen: Silvester

Im Jahr 1988 brachte die spanische Popgruppe Mecano ein Lied zum Thema Silvester heraus: Un año más (mit spanischem Text). Dieses Lied behandelt u.a. einen spanischen Silvesterbrauch, den der Weintrauben. Wenn in der Silvesternacht die Glocken läuten, wird zu jedem Glockenschlag eine Weintraube in den Mund gesteckt und sich etwas gewünscht. Das soll Glück für das folgende Jahr bringen. Wer es nicht schafft, dem erwartet das Jahr über Unglück.
Der Brauch geht angeblich auf das Jahr 1909 zurück, als die Traubenernte in Spanien sehr üppig ausgefallen war. Nun saß man auf einem riesigen Berg Trauben und kam auf die Idee, diesen mit dem Traubenverzehr zu Silvester – auf Spanisch Nochevieja – abzubauen. Heute werden übrigens eigens für Silvester die sogenannten „Glückstrauben“, die uvas de la suerte, in Gewächshäusern angebaut, deren Säuregehalt wegen der fehlenden Sonne recht hoch ist.

Bis es aber Mitternacht wird, passiert so einiges in Spanien. Am 31. Dezember wird – wieder einmal – mit einem großen Essen gefeiert. Auch Silvester ist in Spanien ein Familientag, der gemeinsam verbracht wird. Es ist ein Tag der Freude und des Vergnügens. Nach dem Essen geht es hinaus auf einen Platz, an dem auch eine Uhr hängt, um mit den Nachbarn zusammen auf Mitternacht zu warten. Der berühmteste Platz ist die Puerta del Sol (deutsch: „Tor der Sonne“) in Madrid. Abgesehen davon, dass sich hier Null-Kilometerstein der sechs Hauptnationalstraßen Spaniens, die sich sternförmig von Madrid aus über das gesamte spanische Festland erstrecken, befindet, gibt es einen ein Uhrturm am Rathaus, der traditionell in der Silvesternacht jedes Jahres mit 12 Glockenschlägen das neue Jahr einläutet. Er wird daher an jedem 31. Dezember im spanischen Fernsehen live übertragen.

Nach dem Verzehr der Weintrauben knallen schließlich die Korken, natürlichen mit spanischem Cava. Wer übrigens einen goldenen Ring in sein Sektglas wirft, soll ebenfalls Glück haben im neuen Jahr. Die Spanier beginnen eine feucht-fröhliche Nacht mit Musik, Tanz und Gesang – entweder weiter auf öffentlichen Plätzen oder in Bars, Diskotheken oder Restaurants. Wer kann, verbringt den Jahreswechsel nicht zu Hause, es sein denn, dort ist eine große Party mit Familie und Freunden angesagt.

Silversterraketen sind erst in den letzten Jahrzehnten populärer geworden. In Barcelona etwa gibt es kaum Raketen, die auf Spanisch petardos heißen, im Stadtgebiet. Dafür wird auf dem Tibidabo, dem Hausberg Barcelonas, ein großes Feuerwerk abgebrannt.

Zum Schluss noch eine Tradition, die insbesondere die Spanierinnen betrifft: Sie tragen zum Jahreswechsel rote Unterwäsche und Dessous, die sie aber geschenkt bekommen haben müssen, damit sich das Liesbesglück im Jahr darauf auch erfüllt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Bis morgen! Und natürlich un próspero año nuevo, ein gutes neues Jahr!

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