Wer die Vorweihnachtszeit in Spanien verbringt, muss dabei auf den Nikolaus (San Nicolás) verzichten. Er kommt nicht am 6. Dezember und legt daher (leider) auch keine Süßigkeiten oder Geschenke in die Schuhe. Das geht auch nicht, da St. Nikolaus der Legende nach im November per Schiff aus Spanien in Richtung Niederlande reist – schließlich ist er der Schutzheilige der Seefahrer.
Die Überlieferung, dass der Nikolaus per Schiff in die Niderlande reist, kommt aus der Zeit König Philipp II., dem Sohn von Karl dem V. (in Spanien Karl I, span.: Carlos I.). Zu Philipps Lebzeiten im 16. Jahrhundert gehörten auch die Niederlande und das Königreich beider Sizilien zu Spanien. Außerdem unterhielt Spanien zu jener Zeit eine der größten Flotten der Welt, daher die Schifffahrt in die Niederlande. Dort trifft er am 5. Dezember ein und verteilt Kekse an die Kinder.
Nur einmal war er unpünktlich, das war im Kriegsjahr 1944.
Die Herkunft des Nikolaus ist jedoch in Spanien wie in Mitteleuropa die gleiche: Er geht auf Nikolaus von Myra zurück, der in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts als Bischof von Myra (heute Türkei) in der damaligen kleinasiatischen Region Lykien wirkte. In Spanien wird er zudem Nicolás de Bari (Nikolaus von Bari) genannt, da im süditalienischen Bari seine Reliquien aufbewahrt werden.
Der 6. Dezember ist der Todes- und gleichzeitig Namenstag des heiligen Nikolaus.
Auf Nikolaus gehen in der spanischsprachigen Welt zahlreiche Ortsnamen mit dem Bestandteil San Nicolás zurück.
Der 6. Dezember ist in Spanien trotzdem ein Feiertag. Allerdings bezieht dieser sich auf etwas ganz anderen, nämlich die spanische Verfassung. Der Día de la Constitución (Tag der Verfassung) wurde am 6. Dezember 1978 im Rahmen einer Volksabstimmung mit großer Mehrheit vom Volk angenommen. Die damals beschlossene Verfassung hat bis heute Gültigkeit (Stand: Dezember 2014).
