7. Türchen: Advent

Heute ist der 2. Advent. Obwohl die Adventszeit in Spanien einen unbedeutenderen Stellenwert als in Deutschland oder anderen mitteleuropäischen Staaten einnimmt, so gibt es für sie doch einen Begriff im Spanichen: el adviento.

Der Begriff adviento hat sich aus dem lateinischen adventus ‚Ankunft (Jesu Christi)‘ < ad ‚zu‘ + venire ‚kommen‘ entwickelt, ähnlich wie die entsprechenden Bezeichnungen in anderen romanischen Sprachen, z.B. katal. advent, frz. avent, ital. avvento oder port./gal. advento.
Der Advent bezeichnet im christlichen Teil der Welt die Zeit der Vorbereitung auf die Geburt Christi. Der Ursprung seiner heutigen liegt bereits im 7. Jahrhundert und wurde bereits damals als tempus ante natale Domini („Zeit vor der Geburt des Herrn“) oder tempus adventūs Domini („Zeit der Ankunft des Herrn“). Über die Herkunft von Navidad als [dies] natalis hatte ich bereits geschrieben.
In den römischen Provinzen Gallia und Hispania (in etwa die heutigen Länder Frankreich und Spanien) entwickelte sich ein Vorläufer des heutigen Advents bereits im 4. und 5. Jahrhundert. Damals galt er insbesondere in der christlichen Liturgie als asketische Vorbereitung auf das Weihnachtsfest und dauerte drei Wochen. Auf sie folgte ein weiterer „Advent“, nämlich die Vorbereitung und das Warten auf Epiphanias, den Dreikönigstag, sodass der ursprüngliche Advent fünf statt wie heute vier Wochen dauerte. Aus dieser Zeit stammt auch der Brauch, Geschenke erst am 6. Januar auszutauschen (statt wie in vielen anderen Staaten bereits am 24. oder 25. Dezember). Denn am Dreikönigstag sollen – wie der Name bereits andeutet – die drei Weisen bzw. Könige aus dem Morgenland an der Krippe Jesu angekommen sein und ihm Geschenke mitgebracht haben.
Erst seit Kurzem wandelt sich dieser Brauch in Spanien, sodass einige Familien dazu übergehen, bereits an den Weihnachtstagen Geschenke zu machen.

Bis 1917 forderte die katholische Kirche zudem von ihren Gläubigen ein Adventsfasten, um sich auf das kommende Ereignis der Geburt Christi vorzubereiten. Während dieser Zeit waren Feste oder auch feierliche Trauungen untersagt. 1917 wurde diese Regel aufgehoben.

So wenig der Advent auch im spanischen Alltag präsent ist, so sehr ist er Bestandteil der katholischen Liturgie. Hier markiert der Advent den Beginn des Kirchenjahres, während dem die Geistlichen einen violetten Talar tragen. Auch im nach wie vor hauptsächlich katholischen Spanien gibt es vier Adventssonntage.

In Spanien wird während der Adventszeit ein Kranz aus Kiefern- oder Tannenzweigen mit vier Kerzen aufgestellt, die Corona de adviento („Adventskrone“, auf Deutsch würde man „Adventskranz“ sagen). Zum spanischen Adventskranz gibt es eine kleine Tradition, denn jeder der vier Kerzen wird eine Tugend zugeordnet, die es in dieser speziellen zu verbessern gilt, etwa die Nächstenliebe für Kerze eins, der Frieden für Kerze zwei, die Toleranz für Kerze drei und der Glaube für Kerze vier. Die Corona de adviento ist jedoch nicht so weit verbreitet wie in mitteleuropäischen Ländern.

Bis morgen!

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