8. Türchen: Unbefleckte Empfängnis

Der 8. Dezember ist ein Feiertag in Spanien. Viele Spanier kombinieren ihn mit dem 6. Dezember, sodass mit einem Brückentag am 7. Dezember eine kleine Auszeit während der Adventszeit entsteht. Dies ist besonders dann erfreulich, wenn vor- oder nachher ein Wochenende kommt.

Im vorwiegend katholischen Spanien wird an diesem Tag die Unbefleckte Empfängnis (auf Spanisch Inmaculada Concepción oder Purísima Concepción, von vielen auch einfach als la Purísima bezeichnet) gefeiert. Hochoffiziell wurde dieser Feiertag durch ein Dogma der römisch-katholischen Kirche vom 8. Dezember 1854, in dem festgehalten wurde, dass die Maria als Mutter Jesu von der Erbsünde verschont geblieben war.
Die Ursprünge liegen jedoch früher. Bereits im 2. Jahrhundert glaubte Irenäus von Lyon, Maria trüge keine Erbsünde. Er war der Erste, der Eva und Maria miteinander verglich und schrieb: „Eva mußte notwendigerweise in Maria wiederhergestellt werden, damit eine Jungfrau, indem sie zur Anwältin einer Jungfrau werde, durch ihren jungfräulichen Gehorsam den jungfräulichen Ungehorsam rückgängig mache.“ (Zum Erweis der apostolischen Verkündigung [Epideixis], 33). Aus dieser Tradition entwickelte sich der Feiertag der Unbefleckten Empfängnis, der als solcher bereits seit 1644 im gesamten spanischen Imperium und in der gesamten katholischen Kirche seit 1708 begangen wird. Er wird von der katholischen Kirche als Hochfest gefeiert.

Des weiteren ist die Heilige Maria auch Schutzpatronin Spaniens – ein weiterer Grund für viele Spanier, den 8. Dezember als Feiertag zu begehen. Der Tag ist auch gesetzlicher Feiertag in Spanien. Da er nur zwei Tage nach dem 6. Dezember liegt, nehmen sich viele am 7. Dezember einen Brückentag und haben so in der Vorweihnachtszeit einer Verschnaufpause. Dies gilt inbesondere dann, wenn vor- oder nachher oder Wochenende kommt.

In Sevilla, inbesondere in und vor der Kathedrale, wird die Unbefleckte Empfängnis im religiös-liturgischen Rahmen groß gefeiert. Das Fest beginnt bereits am Vorabend auf der Plaza de la Inmaculada, dem Patz vor der Kathedrale. Zu Ehren der Heiligen Maria werden Choräle und andere Religiöse Lieder gesungen.
Am Tag darauf findet die eigentliche Feier statt. In deren Rahmen wird der Baile de los Seises aufgeführt, der Tanz der Chorknaben. Diese Tradition geht bis in 15. Jahrhundert zurück, als ingesamt sechzehn Chorknaben nach der Rückeroberung Sevillas zu Ehren Gottes sangen und vor dem Hochaltar tanzten. Dieser Brauch breitete sich im Verlauf der Zeit in ganz Spanien aus.
Bis heute tanzen mittlerweile nur noch 10 Chorknaben in historischen Kostümen der königlichen Pagen aus der Habsburger-Zeit, immer noch vor dem Hochaltar und stets begleitet von Gesang.

Ein Wort zur Herkunft des Wortes Seises. Wer spanische Zahlen kennt, weiß, dass „sechzehn“ auf Spanisch dieciséis heißt. Die seises gehen auf auf eine ältere Form *seise für 16 zurück, die mit dem katalanischen setze und dem französischen seize verwandt ist. In modernerer Zeit hat sich dieciséis als Zahl durchgesetzt, aber im Baile des los Seises (= der Tanz der sechzehn [Chorknaben]) lebt die ältere Form weiter.

Mit dem 8. Dezember beginnt für viele Spanien die eigentliche Vorweihnachts- und Adventszeit.

Bis morgen!

 

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