Der einzigartige Babelfisch

Blogwichteln im Texttreff  Liebe Leserinnen und Leser, heute habe ich das große Vergnügen, einen Beitrag der wunderbaren Texterin Livia Grupp im Rahmen der Blogwichtelaktion im Texttreff, dem Netzwerk wortstarker Frauen, im   Traduteca-Blog veröffentlichen zu dürfen. Liebe Livia, ich danke Dir sehr für Deinen kurzweiligen und allzu wahren Beitrag!

Der einzigartige Babelfisch

Dem Babelfisch – „probably the oddest thing in the universe“ – begegnete ich erstmals in Douglas Adams‘ Per Anhalter durch die Galaxis. Dieses vielleicht eigenartigste Ding im Universum fand ich wunderbar. Es übersetzt sofort, was jemand sagt, ob Alien oder nicht, egal welche Sprache. Falls es ihn gäbe, könnte er für das Ende der Babylonischen Sprachverwirrung sorgen.

Aber er ist noch unentdeckt, der Babelfisch! Und es gibt zum Glück noch Übersetzer.

Dabei versucht die Technik alles. Ganz mutig und lustig wurde sogar eins der ersten kostenlosen Übersetzungsprogramme im weltweiten Web „Babel Fish“ getauft. Und es klang aufregend: Einfach einen Text in ein Feld einfügen, dann auf ‚Übersetzen‘ klicken und Schwuppdiwupp war eine Übersetzung da.

Nun, es gab natürlich einen Haken: Die Übersetzungen waren bisweilen ziemlich grottig, um nicht zu sagen grotesk. Und die erzeugten Texte – konnte man sie überhaupt Texte nennen?

Mit Sprache spielen

Es war schnell zu erahnen, dass es ohne menschliche Übersetzer einfach nicht gehen würde. Und das ist auch heute noch so. Denn immer braucht es jemanden, der anspruchsvolle Sprache in die Fremdsprache überträgt. Selbst mit Einsatz technischer Hilfsmittel braucht es immer noch jemanden, der korrigierend eingreift und die maschinell erzeugten Übersetzungen überarbeitet. Mensch schlägt Maschine.

Die Babel Fish Anwendung gehörte seinerzeit zum Angebot von Altavista, dann machte sie einige Jahre Karriere auf Yahoo. Nun wurde sie Mitte 2012 eingestellt. Yahoo leitet die Nutzer seither jedenfalls zum Bing-Translator von Microsoft um. Mit Google hat ein weiterer großer Anbieter seinen eigenen Übersetzungsdienst.

Und diese automatischen Übersetzungen sind vielleicht sogar brauchbar. Teilweise, je nachdem… Ich finde sie hilfreich für einen schnellen Überblick über fremdsprachige Inhalte. Ganze Webseiten können ‚Surfer‘ sich mit einem Klick kostenlos übersetzen lassen.

Die Nutzer müssen allerdings Abstriche in Kauf nehmen, denn:

  • die Sprache ist nicht schön,
  • die Texte sind nicht leicht zu lesen,
  • es können grammatische und inhaltliche Fehler auftreten
  • die Texte können unfreiwillig komisch sein

Mit dem ganzen Reichtum der Sprache spielen – das kann nur ein Mensch. Es muss Ihnen also gar nicht Spanisch vorkommen, mein lieber Herr Gesangsverein, dass der Google Übersetzer die Redewendungen so gnadenlos übersetzt:

 “So you must not happen Spanish, my dear glee club.” oder

 “Por lo que no debe suceder españoles, mi querido club Glee.

Oder wie würden Sie das übersetzen? Der Automat weiß jedenfalls nicht, dass es in dem Text weder um die spanische Sprache, noch um einen Gesangsverein geht.

Babelfisch-Zeichnung von Livia Grupp
Babelfisch-Zeichnung von Livia Grupp

 Mit Sprache arbeiten

Übersetzungsprogramme arbeiten mit komplizierten Algorithmen, Suchfiltern, Datenbanken und Wörterbüchern sowie einem riesigen Fundus an      mehrsprachigen Webinhalten. Wahrscheinlichkeiten werden damit errechnet, aber nicht interpretiert.

Für Unternehmen ist die professionelle Dienstleistung eines Übersetzers daher kaum zu ersetzen. Anspruchsvolle Businesstexte, auch Werbetexte gehören dazu, erfordern ebenso wie literarische Werke ein Gefühl für die Feinheiten der Sprache und ihrer Ausdrucks- und Interpretationsmöglichkeiten, und dies in der Ausgangssprache ebenso wie in der Zielsprache. Auch fachsprachliche  Kenntnisse kann ich bei einem Automaten einfach nicht voraussetzen.

Und der Babelfisch? Die Domains babelfish.de und babelfish.com sind inzwischen von verschiedenen Anbietern belegt. Aber die Qualität der Übersetzung wird anscheinend nicht besser, my dear Mr. Singing-Club.

Mit freundlicher Genehmigung von Livia Grupp

1 Kommentar zu „Der einzigartige Babelfisch“

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