Fragen sind keine Bildungslücke

Wie war das noch? Hieß das jetzt „Stoßfänger“ oder „Stoßstange“? Da muss ich bei meinem Kunden nachfragen, welchen Begriff er lieber hätte.

Als Übersetzerin komme ich immer wieder in die Situation, dass ich auf Begriffe stoße, die mehrere Übersetzungsmöglichkeiten zulassen. Website des Kunden und/oder anderes Referenzmaterial lassen keine Rückschlüsse auf die im Unternehmen genutzten Begriffe zu. Also bleibt nur eine Lösung: Den Kunden anschreiben und fragen.

Was passiert nun? Es kann zweierlei passieren. Entweder beantwortet der Kunde die Frage und hilft gerne weiter oder er bleibt stumm. Leider kommt die zweite Option meiner Erfahrung nach häufiger vor.
Warum? Fragen werden in Unternehmen oft als Schwäche angesehen, als Bildungslücke. Nur den wenigsten Unternehmen ist bewusst, dass Fragen in der Übersetzerbranche zum Handwerk gehören, ja, Grundlage für eine vernünftige Übersetzung sind! Immerhin sind diese Übersetzungen für viele Unternehmen oft die Basis für den internationalen Markt. Wer sich schlecht verkauft, also beispielsweise eine schlecht übersetzte Beschreibung liefert, ist raus, verliert Kunden und Ansehen.

Die eingangs genannten Begriffe zeigen, dass es durchaus unterschiedliche Übersetzungen für ein und das gleiche Teil geben kann. Während Automobilhersteller A lieber „Stoßfänger“ nutzt, spricht man bei Automobolhersteller B lieber von „Stoßstange“. Auf den ersten Blick ist kein Unterschied zu erkennen, immerhin ist es dasselbe Teil.
Allerdings gibt es gerade in mittleren und großen Unternehmen eine sogenannte Corporate Language (CL), die im Unternehmen verwendete (Fach-)Sprache.

Als Übersetzerin stehe ich nun vor der Frage, welche CL in dem unternehmen genutzt wird, für das ich gerade übersetze. Gibt mein Auftraggeber mir keine Hinweise, stehe ich so manchem Begriff recht hilflos gegenüber, denn ich kann ja nicht wissen, welchen Begriff mein Kunde nutzt.

Es bleibt mir also nur fragen. Wir Übersetzer haben also keine Bildungslücken, wenn wir nachfragen. Im Gegenteil, wir bitten um Informationen, die uns helfen, Ihren Text und Ihre sprachliche Basis für den internationalen Markt optimal zu übersetzen.

Bitte antworten Sie Ihrem Übersetzer – es geht um Ihren Ruf!

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